Fiese Männer

KURZE INTERVIEWS MIT FIESEN MÄNNERN

nach David Foster Wallace

 

 

 

Artikel aus dem Hamburger Abendblatt von Annette Stiekele, 13.7.2010:

Gemischte Gefühle und das liebe Geld beim 150%-Festival

Hamburg. Tag zwei des Festivals 150 % Made in Hamburg. Von der positiven Wechselwirkung eines Ortes mit einem Text zehrte die Vorstellung “Kurze Interviews mit fiesen Männern” der Hamburger Regisseurin Anna Schildt nach den gleichnamigen Erzählungen von David Foster Wallace. Wunderbar bespielten Christiane Filla und Markus Frank Tresen, Raum und Terrasse der Bar 13ter Stock mit episodischen Grabenkämpfen postmoderner Beziehungen. Von Männern, die im Zustand höchster Lust politische Parolen brüllen, bis zum Phänomen der Frau als bester Freundin. Toll.

 

 

 

 

 

Ein Interview und eine weitere Kritik aus der Festivalzeitschrift des Kaltstartfestivals Hamburg, 2010:

WAS SIND SCHON FIESE MÄNNER?

Anna Schildt über ihr Stück: Der Titel ist ja auch ironisch gemeint: Was sind schon fiese Männer? Männer, die jede Nacht mit einer anderen Frau vögeln? Wir spielen in einer Lounge, da kann man sich ganz entspannt hinsetzen. Wir verändern da nichts. Es gibt zwei Schauspieler, draußen und zwischen den Zuschauern. Es geht um Beziehungssituationen. Aber es gibt auch lustige Passagen. Ich wollte die Texte einfach
lassen, wie sie sind. Aber es ist etwas anderes, ob man einen Theatertext nimmt oder einen Wallace-Text. Der hat so ganz sperrige Gedanken. Das sind keine Beichten.
Das sind intime Texte. Wie Akten aus einer psychiatrischen Anstalt, vielleicht. Da sieht man, dass Wallace immer alles extrem kleinlich und genau versucht hat zu beschreiben. Ich finde das sehr zeitgemäß, dieses Gerede, die Männer bei Wallace erklären sich immer
auf sieben verschiedene Arten, das haben wir gelassen. Ich möchte die Texte nicht kommentieren, die sprechen sehr für sich. Wir wollen, dass der Zuschauer sagt: Ja, das kenne ich.

 

MARIO BARTH FÜR INTELLEKTUELLE – Anna Schildt lässt David Foster Wallaces Kurzen Interviews mit fiesen Männern“ ihre Strahlkraft           von Jan Fischer

Der ganze 13te Stock ist voll, Lounge-Athmo und einer, dem die Tattoos an diesem Abend das T-Shirt ersetzen, serviert Getränke. Irgendwann läuft Morcheeba: Der fiese Mann ist der Typ hinterm DJ-Pult, er trennt sich erstmal von seiner Freundin. So geht es weiter: Trennungen, Störungen, ein bisschen Lacan, ein Quentchen Foucault, ein Holocaust-Vergleich: Christiane Filla und Markus Frank sprechen die „Kurzen Interviews“
—eigentlich Monologe unterschiedlicher Männer —mal zusammen, mal alleine, mal hinter dem DJ-Pult, mal auf dem Balkon, und bis auf einige Kostümwechsel war es das eigentlich auch: Regisseurin Anna Schildt inszeniert zurückgenommen. Zugegeben, die Monologe werden teils in Dialoge aufgelöst, manchmal ist der fiese Mann eine fiese Frau — aber eigentlich schrammt der Abend scharf an einer szenischen Lesung vorbei. Aber was solls: Es geht um das Verhältnis zwischen Männern und Frauen, und dieses „Hohoho, das kenne ich!“ zusammen mit der Inszenierung destilliert das Mario-Barthige aus David Foster Wallace — nur, dass Mario Barth normalerweise nicht Foucault zitiert.
Schildt hat erkannt, dass man diese Texte einfach nur ohne zu stocken sprechen muss, damit sie knallen wie die Sonne auf das Flachdach. So lange das Bier gekühlt
ist, das der Tätowierte bringt, hat die Kritik da nichts zu meckern.